
Oberbürgermeister und Ministerpräsident Dr. Rudolf Friedrich
Als Dr. Rudolf Friedrichs am 13. Juni 1947 starb, trauerte die Stadt Dresden um einen ihrer verdienstvollsten Bürger, das Land Sachsen um seinen „ersten Mann“. Heute erinnert in Dresden keine Straße und kein Platz mehr an den Mann, der 1945 als erster SPD-Oberbürgermeister und dann zwei Jahre lang als Ministerpräsident des Landes Sachsen tätig war - das muss anders werden! Dieser Aufgabe wird sich die Historische Kommission der sächsischen Sozialdemokratie in den kommenden Monaten aktiv annehmen und damit dem Gedenken an die Person Friedrichs' einen Platz in der Dresdner Erinnerungslandschaft erkämpfen. Die Verdienste des Sozialdemokraten um das Dresdner und das sächsische Gemeinwesen rechtfertigten dies in jedem Fall.

Christoph Wielepp / Swen Steinberg (Hg.): Dr. Rudolf Friedrichs (1892-1947). Leben und Wirken des Dresdner Oberbürgermeisters und sächsischen Ministerpräsidenten, Dresden 2007.
►Kostenlos erhältlich bei der Friedrich-Ebert-Stiftung, Büro Dresden, Königstraße 6, 01097 Dresden
Einleitung
Als Dr. Rudolf Friedrichs am 13. Juni 1947 starb, trauerte die Stadt Dresden um einen ihrer verdienstvollsten Bürger, das Land Sachsen um seinen „ersten Mann“. Der gebürtige Plauener zog 1905 mit seinen Eltern in die Residenz- und Garnisonsstadt an der Elbe, wo er 1913 am Kreuzgymnasium seine schulische Ausbildung beendete. Unterbrochen durch die Einberufung 1914 und das Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Leipzig bis 1920, sollte Dresden die wesentliche Wirkungsstätte des Sozialdemokraten bleiben: Zuerst als Mitarbeiter im Innenministerium, später als Regierungsrat bei der Amtshauptmannschaft Dresden und nicht zuletzt als ehrenamtlicher Stadtrat, wo er aktiv Politik gestaltete. Nach seiner Amtsenthebung durch die Nationalsozialisten im Frühjahr 1933 folgten Jahre des „Rückzugs ins Private“. Erst im Mai 1945 konnte er wieder politisch wirken und erhielt mit der Ernennung zum Dresdner Oberbürgermeister ein denkbar schwieriges Arbeitsfeld – die Stadt war zerstört, überfüllt mit Flüchtlingen, an „normales“ Leben war kaum zu denken. Doch in diesem Amt bleib Friedrichs nur bis zum Sommer 1945. Danach ernannte die sowjetische Militäradministration den in Verwaltungsfragen sehr erfahrenen Mann zum Landespräsidenten, 1946 wurde er schließlich der erste Ministerpräsident Sachsens nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Und gerade in dieser Funktion geriet der Sozialdemokrat schnell in zahlreiche Konfliktlagen mit den Kommunisten. Dies betraf im Besonderen die Frage der deutschen Wiedervereinigung, die für ihn ohne die Formulierung von Bedingungen das oberste Ziel der Politik im besetzten Deutschland darstellte. Eine Haltung, die ihn zweifelsohne zu einem Politiker von gesamtdeutscher Bedeutung machte. Sein überraschender Tod im Sommer 1947 konnte der SED folglich nur gelegen kommen.
Um an das Leben und Wirken Rudolf Friedrichs’ zu erinnern, veranstaltete das Dresdner Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung am 14. Juni 2007 aus Anlass seines 60. Todestages unter dem Titel „ZeitenWendeZeiten“ ein Forum, in dem sein Wirken und seine historische Bewertung vorgestellt und diskutiert wurden. Eingeleitet durch ein Grußwort des Staatsministers Thomas Jurk, referierten die Historiker Prof. Dr. Klaus-Dietmar Henke und Dr. Mike Schmeitzner über die besondere Bedeutung des Jahres 1945 und über die Persönlichkeit Rudolf Friedrichs. Seine wechselvolle Biographie wurde somit zur Projektionsfläche der deutschen Geschichte. Stadtrat Dr. Peter Lames ergänzte dies durch Anmerkungen zu den politischen Grundsätzen des Kommunal- und Landespolitikers sowie deren Wirkung und Bedeutung in der Gegenwart. Diese Referate wurden im Anschluss – moderiert durch Hans-Peter Lühr vom Dresdner Geschichtsverein – im Podium und mit dem Publikum diskutiert. Zudem wurde die speziell erstellte Ausstellung „Dr. Rudolf Friedrichs – Leben und Wirken“ erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.
Aufgrund der noch immer hohen Aktualität der Person Rudolf Friedrichs und dessen Wirken lag es für das Dresdner Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung nahe, die eindruckvollen Referate in gedruckter Form zu publizieren. Möge der vorliegende Band dazu beitragen, dass die Auseinandersetzung mit der Biographie und dem politischen Erbe des ehemaligen Dresdner Oberbürgermeisters und sächsischen Ministerpräsidenten Rudolf Friedrichs vital und kontrovers bleibt.
Christoph Wielepp / Swen Steinberg
Aus dem Inhalt:
Einleitung
Christoph Wielepp / Swen Steinberg
Grußwort
Thomas Jurk
Das Jahr 1945 – Wendepunkt deutscher Geschichte
Klaus-Dietmar Henke
Rudolf Friedrichs: Persönlichkeit und Wirken
Mike Schmeitzner
Vorbild Rudolf Friedrichs? – Visionen Dresdner Kommunalpolitik
Peter Lames

Nach dem Hinweis eines Bürgers fand eine Exkursionsabordnung der Historischen Kommission den Grabstein bei einem Bühlauer Grabbildhauer, dem Sohn des Schöpfers des Steins, der ihn bei einer Friedhofsberäumung fand und auf seinem Hof vor der Zerstörung in Sicherheit brachte.
Die Dresdner SPD sucht nun mit der Historischen Kommission gemeinsam eine nach dem ersten demokratisch gewählten Oberbürgermeister Dresdens und letzten demokratischen Ministerpräsidenten Sachsens vor 40 Jahren SED-Herrschaft zu benennende Stelle (Straße, Platz oder Gebäude), um dort auch den Stein als Gedenkstein aufzustellen.


